Der
Arbeitskreis Mädchenarbeit
Die Basis
Der Arbeitskreis Mädchenarbeit gründete sich am 25. Juni
1998 nach einem ersten informellen, brainstormartigen Treffen mit
dem erklärten Ziel, im Bereich der Mädchenarbeit innerhalb
der JugZ vernetzend zusammenzuarbeiten.
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Derzeit sind 14 Einrichtungen
im Arbeitskreis vertreten, von denen sich 10 aktiv an der Gestaltung
und den Entwicklungen im Arbeitskreis beteiligen. Die beteiligten
Einrichtungen treffen sich einmal monatlich in der Freizeitanlage
Klingelpütz, die für alle beteiligten Frauen den zentralsten
Ort darstellt. |
Inhalte und Themen
Im Rahmen des AK Mädchenarbeit, der für die beteiligten
Frauen ein gemeinsames Fundament und Forum für die Mädchenarbeit
in der JugZ bildet, wurden im Laufe der Monate verschiedene Themen
bearbeitet, die hier kurz beschrieben werden sollen: * Berichte aus
den Einrichtungen: hier stehen der Austausch über die praktische
Arbeit, die Themen, Problemlagen, Projekte und aktuellen Entwicklungen
in den Einrichtungen im Mittelpunkt
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In der Gründungsphase
wurde deutlich, dass für alle Kolleginnen ein praxisnaher
Austausch über die inhaltliche Arbeit, Informationen, gemeinsame
Aktionen und die Zusammenarbeit im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit
wichtige Bestandteile der Treffen des AKs sein sollten. |
* Entwicklung eines Konzeptentwurfs "Mädchenarbeit"
für das Rahmenkonzept der JugZ, der jedoch noch nicht vom AK
Konzept verabschiedet worden ist
* Beteiligung an Mädchen- und Frauenprojekten innerhalb und
außerhalb der JugZ
* Anregung von Fortbildungen, z.B. 1999 zum Thema "Adoleszenz
und Konfliktdynamik"
* Besuch der TOP 99 Frauenmessen in Düsseldorf zum Thema "Frauen
erobern die Zukunft"
* Projektanträge an den AK Finanzen (Einzelanträge und
Festschreibung der Gelder für die Mädchenarbeit)
* Zusammenarbeit mit der Fachstelle Koordination und Qualifikation
der Mädchenarbeit des Jugendamtes der Stadt Köln, (in
puncto Jugendhilfeplanung), namentlich mit Claire Menke
* Gestaltung der Zusammenarbeit mit der Fachberatung
* JugZ-interne Vernetzung der Einrichtungen (z.B. Infopool zur Mädchenarbeit,
Mädchenbroschüre)
* gemeinsame Aktionen (z.B. Mädchendisco im Klingelpütz)
* Planung weiterer gemeinsamer Projekte für 2000, um auch in
der Praxis vor Ort enger zusammenzuarbeiten
* kommunale und landesweite Orientierung über Einrichtungen
und Arbeitskreise der Mädchenarbeit.
Praktische Mädchenarbeit in der JugZ
- Aktionen und Projekte
Entsprechend der Vielfalt der Einrichtungen in der JugZ sieht die
praktische Mädchenarbeit vor Ort sehr unterschiedlich aus:
Während in einigen Einrichtungen mit Beginn der JugZ erst Aufbauarbeit
geleistet werden musste, konnten andere Einrichtungen bereits auf
eine bestehende Mädchenarbeit zurückgreifen.
Heute gibt es in nahezu allen Einrichtungen der JugZ spezielle Angebote
für Mädchen, sei es in Form von Gruppenangeboten oder
Mädchentagen, wo sich Mädchen in gleichgeschlechtlichem
Rahmen treffen, erste Hemmschwellen gegenüber einem Jugendzentrum
abbauen, Erfahrungen austauschen und verschiedenste Aktivitäten
entfalten können wie Spielen, Basteln, Tanzen, Kochen etc.
Neben den regelmäßig stattfindenden Mädchentagen
oder -gruppen gibt es noch Sonderprogramme wie Tagesveranstaltungen,
Ausflüge und Übernachtungsaktionen.
Die stärkere Vernetzung der
Mädchenarbeit im Rahmen des Arbeitskreises ermöglichte
einzelnen Einrichtungen in einem größeren Maße
gemeinsame Projekte, so dass Mädchengruppen andere Einrichtungen
besuchen und an deren Programm teilhaben konnten, z.B. bei der gemeinsamen
Mädchendisco im Klingelpütz.
Selbstbehauptungswochenende für Mädchen
im Bezirk Mülheim
Ein weiteres Beispiel einer engen Kooperation ist das gemeinsame
Selbstbehauptungswochenende für Mädchen der Jugendeinrichtungen
Picco und Pauline am 4.-5. September 1999, an dem 16 Mädchen
im Alter von 9-11 Jahren teilgenommen haben. Nach einem gemeinsamen
Vortreffen mit Kennenlernspielen und Informationen über den
Ablauf des Wochenendes konnten die Mädchen Anfang September
dann unter Anleitung von Selbstbehauptungs-Referentinnen auf spielerische
Art und Weise ihre eigenen Stärken kennenlernen, üben
und erlernen, wie sie sich am besten vor Übergriffen schützen
und welche zusätzlichen Möglichkeiten es im Umgang mit
bedrohlichen Situationen gibt.
Ein wesentlicher Bestandteil des Wochenendes war es zu vermitteln,
dass jeder Mensch das Recht hat, "Nein!" zu sagen und
Grenzen zu ziehen. Das Ausprobieren der verschiedenen Möglichkeiten
stärkte und ermutigte die Mädchen darin, klar auszusprechen,
was sie wollen und was nicht, und durchzusetzen, dass diese Grenzen
respektiert werden. Darüber hinaus ergaben sich viele Gespräche
über den Umgang mit verschiedenen erlebten Situationen und
darüber, welche Möglichkeiten es gibt, mit diesen oder
ähnlichen Situationen besser umzugehen.
Selbstbehauptung wurde bereits während des Wochenendes umgesetzt,
als z.B. ein Mädchen vehement aufgefordert wurde, mit einem
anderen Mädchen einen Tanz einzuüben und darauf entgegnete:
"Du weißt doch: jeder hat das Recht, „nein” zu sagen
- da steht es an der Wand, und ich sage jetzt „nein!”
Neben dem Workshop gehörten an diesem Wochenende auch eine
Mädchendisco und ein Kinoabend zum Programm. Zum Abschluss
wurde gemeinsam ein Haus gestaltet, in dem die Mädchen beurteilen
konnten, was ihnen wie gut gefallen hat. Einhellig hat die gesamte
Aktion allen Mädchen sehr gut gefallen, sie haben sich dafür
ausgesprochen, solche Aktionen häufiger zu unternehmen.
Mädchenprojekt "Nur für mich"
Mit Hilfe bezirksdienlicher Mittel führte das Jugendzentrum
Johannesweg in Höhenhaus im Herbst das Mädchenprojekt
"Nur für mich" durch. Geplant waren ein Selbstbehauptungs-
und Selbstverteidigungskurs für Mädchen von 8-12 Jahren
an vier aufeinander folgenden Mittwochabenden mit jeweils 2,5 Stunden.
Für die Mädchen von 13-18 Jahren planten die Mitarbeiterinnen
ein Wochenende in Amsterdam mit Grachtenrundfahrt, Shopping und
Stadtbummel als Highllight und besonderes Erlebnis.
An sechs aufeinander folgenden Mädchentagen, die jeweils montags
stattfanden, und einem Samstag wurden Nachmittage zum Thema "Wellness/Sich
wohlfühlen" angeboten. Themen wie "Besuch im Thermalbad",
"Licht und Farbe", "Düfte und Parfüm",
"Musik und Klänge", "Spaß und Musik",
"Kuscheln und Gemütlichkeit" sowie "Mein Gesicht"
gehörten dazu.
Während dieser Stunden wurden neben Genuss und Entspannung
Gelkerzen gegossen, Parfüm gemischt, Tagebücher beklebt,
ein Hip-Hop-Streetdance einstudiert sowie Phantasiereisen zu indianischer
Regentanzmusik durchgeführt. Die Stimmung war gelöst und
spaßig.
Ziel des Mädchenprojekts "Nur für mich" war
es, den Teilnehmerinnen Anregungen zu geben, Gefühle von Schwäche,
Minderwertigkeit und Machtlosigkeit sowie bedrückende Alltagserfahrungen
zu überwinden und neu erworbene Fähigkeiten für ein
positives Selbstwertgefühl zu nutzen. Der Selbstbehauptungs-
und Selbstverteidigungskurs erfreute sich besonderer Beliebtheit
und wurde auf Anfrage der Mädchen und ihrer Mütter verlängert.
Die Angebote, die für die Mädchen ab 13 Jahren geplant
waren, wurden zwar von den Mädchen des offenen Bereichs gewünscht,
mit ausgesucht und vorgeschlagen, jedoch nicht im gleichen Maße
von ihnen besucht. Gründe hierfür waren Zeitmangel und
starkes Eingebundensein in Schule, Ausbildung und Nebenjobs. Außerdem
fanden zwischen Februar und September ein Besucherinnenwechsel sowie
eine monatelange Renovierungsphase statt. So musste die geplante
Amsterdamfahrt, zu der sich bei der Planung schon einige 16-17-jährige
Mädchen angemeldet hatten, dann doch ausfallen. Ebenso scheiterte
die Samstagsaktion mit der Kosmetikerin aus oben genannten Gründen.
Alle Montagstermine wurden sehr gut angenommen, zumal das Angebot
spontan auf die jüngeren Mädchen erweitert wurde. Über
den Selbstverteidigungskurs kamen vermehrt weitere Besucherinnen
dieser Altersgruppe zum Mädchentag.
Bei den Hip-Hop-Streetdance-Terminen wurde aufgrund starker Nachfrage
das Angebot für beide Altersgruppen getrennt angeboten, also
verdoppelt. Da sowohl das Hip-Hop-Streetdance wie auch das Selbstverteidigungsangebot
bei den Mädchen sehr gut ankamen, wurde es bei der Höhenhauser
Jahresplanung 2000 erneut berücksichtigt.
Alltag in Gremberg: Die Demo am Mädchentag
Nach dem 1. Januar '98 änderten sich auch in Gremberg einige
Dinge im täglichen Allerlei einer Jugendeinrichtung, so wurde
der Mittwoch nach einer längeren Phase des Brachliegens als
Mädchentag wiederbelebt - anfangs nur mit zwei bis drei Mädchen,
doch die Besucherinnenzahl an diesem Tag stieg nach einer "Anwärmphase"
langsam an.
Wie uns allen aus der Praxis bekannt ist, stoßen Mädchentage
in einer Jugendeinrichtung gern auf Widerstände und Unverständnis
vor allem bei den männlichen Besuchern, die sich hier doch
ausgegrenzt und arg beschnitten fühlen. Klingelorgien, um Einlass
zu erhalten, wurden von den Mädchen mit eindeutigen Sätzen
wie "Heute ist Mädchentag, ihr könnt nicht rein!"
beantwortet, waren jedoch nicht Aussage genug, um aus Unverständnis
Verständnis bzw. Akzeptanz werden zu lassen.
So trug es sich an einem sonnigen Maitag zu, dass eine kleine Gruppe
junger männlicher Besucher wieder einmal versuchte, die Klingel
als massives Druckmittel zu missbrauchen. Wie jedoch die Mitarbeiterin
erfahren musste, nicht mit dem Anliegen, Einlass zu bekommen, sondern
mit der Bitte um ein paar große Zettel, Stifte und Tesafilm.
Auf Nachfragen, wofür sie diese Utensilien denn benötigten,
gab es keine eindeutige Antwort. Nur ein: "Wir machen keinen
Unsinn damit, ehrlich."
Die Jungen wollten ihren Plan natürlich nicht preisgeben, und
so gab die Mitarbeiterin - überrascht und zugleich begeistert
von den kreativen Ideen - den Bitten nach und händigte das
gewünschte Material aus.
Die Kleingruppe zog sich schnell an einen geschützten Ort zurück.
Im Haus nahm der Mädchentag ohne weitere Störungen seinen
Fortgang. Bis erneutes massives Klingeln durch die Räume drang
und alle im Haus Anwesenden zur Eingangstüre zwang.
Dort bot sich dann folgendes Bild: Die Jungen hatten ihr Recht auf
Demonstrationsfreiheit entdeckt und wahrgenommen. Sie standen mit
selbst gebauten Transparenten - es handelte sich um die Zettel,
die an zwei abgebrochenen Ästen befestigt waren - in einer
Gruppe eng zusammen vor der Eingangstür und riefen im Chor
"Mädchen raus, Jungen rein!", "Weg mit dem Mädchentag
- Wir wollen einen Jungentag!" und "Mädchentag ist
scheiße!" Die Transparente enthielten Sprüche wie:
"Birger, Birgit raus - Turgay, Kadir, Taygun rein!", "Wir
wollen rein!", "Jungen rein!" und "Mädchen
raus!".
Die Mädchen waren empört, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
standen schmunzelnd im Haus und konnten sich ein breites Grinsen
ob des Erfindungsreichtums der Jungen nur schwer verkneifen. Die
gesamte Situation wurde zur Kenntnis genommen und aufgrund ihres
Seltenheitswertes fotografisch festgehalten. Die Jungen bekamen
zwar keinen Einlass, aber eine Anerkennung für ihre Kreativität
und Einsatzfreude.
Als Folge dieser Demonstration und Reaktion darauf wurde ein Fußballangebot
parallel zum Mädchentag für jüngere männliche
Jugendliche bei entsprechenden Witterungsverhältnissen auf
dem Bolzplatz in der Nähe der Einrichtung ins Leben gerufen.
Damit kamen wir den Bedürfnissen der Jungen entgegen und konnten
eine entspanntere Atmosphäre für die Mädchen rund
um das Haus erreichen.
Die ausgestellten Fotos boten auch lange nach der Demonstration
Gesprächsstoff und Anlass zur Heiterkeit.
Praktische Mädchenarbeit über die JugZ hinaus
Beteiligung am Kooperationsprojekt Mädchenkulturtag im Kölner
Jugendpark
Auf Initiative des Kölner Jugendparks wurde am 29. Mai '99
erstmals der Mädchenkulturtag veranstaltet. Ausgehend von der
These "Mädchen haben eine andere Lebenswelt und eine andere
Kultur als Jungen" wurde auf dem Gelände des Kölner
Jugendparks in der Zeit von 15-22 Uhr ein Tagesprogramm nur für
Mädchen gestaltet, an dessen Umsetzung verschiedenste Institutionen
und Einrichtungen mitwirkten, so auch drei Einrichtungen aus dem
Kreis des AK Mädchenarbeit.
Es gab Schnupperangebote in den Bereichen Bandprobe, Hip-Hop und
Streetdance, ein Bühnenprogramm, das von verschiedenen Mädchengruppen
bestritten wurde, u.a. von einer Tanzgruppe aus der JE Glashüttenstraße,
und verschiedene Stände wie eine Wahrsagerin, Baumklettern,
ein Spielmobil und Infostände für Mädchen.
Am Stand Glashütte konnten sich die Besucherinnen Henna-Tattoos
nach Vorlagen oder eigenen Vorstellungen machen lassen, wonach auch
reichlich gefragt wurde.
Die Jugendeinrichtung Pauline bot unter Beteiligung des Jugendzentrums
Gremberg die Bearbeitung digitaler Photos an zwei Computern an -
auch für dieses Angebot interessierten sich die Mädchen
sehr stark. Aufgrund technischer Widrigkeiten konnte hier jedoch
nicht so kontinuierlich gearbeitet werden wie am Stand Glashütte.
Alle Einrichtungen hatten die Möglichkeit, ihre Angebote und
Programme auf großen Stellwänden den Besucherinnen vorzustellen.
Unterstützung leisteten auch noch die Jugendeinrichtungen Picco
und OT Esch, und zwar dadurch, dass sie den Besuch des Mädchenkulturtages
fest in ihrem Programmangebot verankert hatten.
Den teilnehmenden Mädchen aus den verschiedenen Einrichtungen
der JugZ hat es sehr viel Spaß gemacht, an einem sonnenüberstrahlten
Tag die speziell für sie konzipierten Angebote wahrzunehmen
und nur unter Mädchen verschiedene Dinge auszuprobieren oder
sich zu präsentieren. Einzelne Mädchen der Gremberger
Gruppe beispielsweise waren nur schwer vom Baumklettern wegzubewegen,
als es Zeit wurde, den Heimweg anzutreten.
Die Aktion ist leider insgesamt sehr wenig besucht, jedoch im AK
Mädchenarbeit sehr positiv bewertet worden, und auch im Jahr
2000 werden einzelne Einrichtungen dieses Kooperationsprojekt wieder
unterstützen und mitgestalten. Es wäre schön, wenn
am 27. Mai 2000 noch mehr Mädchen den Weg in den Kölner
Jugendpark finden würden.
Ausblick
Auch in Zukunft sollen die bisherigen Themen weitergeführt
und die Verankerung der Mädchenarbeit im Konzept der JugZ
abgeschlossen werden. Wir werden eine weitere Fortbildung in der
Mädchenarbeit durchführen und - neben der alltäglichen
Mädchenarbeit in den einzelnen Einrichtungen - die Vernetzung
unserer Arbeit fortsetzen und die geplanten Projekte wie eine Mädchenfilmnacht,
eine Mädchencomputernacht, eine Mädchenfahrt, die mädchenspezifische
Mitgestaltung des Jugendhilfetages 2000, eine Broschüre für
Mädchen in der JugZ, die Beteiligung am Mädchenkulturtag
2000
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